
Geplant ist ein gemeinsames Auffangsystem für Öl aus lecken Bohrlöchern im Golf von Mexiko: Es soll aus mehreren Spezialschiffen sowie Unterwassergeräten bestehen, mit denen sich lecke Ölquellen abdichten ließen. Das System orientiere sich an der Technik, mit der BP bereits im Golf von Mexiko arbeitet, teilten die Gründer Exxon Mobil, Chevron, ConocoPhillips und Royal Dutch Shell mit. Binnen 18 Monaten soll das System einsatzbereit sein.
Die technische Plattform namens Marine Well Containment Company sei auch für andere Unternehmen offen, hieß es. Ziel der Initiative sei eine Technik, mit der nur kurze Zeit nach einem Austritt täglich 100.000 Barrel Öl in maximal 3000 Metern Meerestiefe aufgefangen werden könnten.
Die Konzerne wollen insgesamt eine Milliarde Dollar (etwa 780 Millionen Euro) investieren.
Nach dem Untergang der Förderplattform Deepwater Horizon sind im Golf von Mexiko aus einem Bohrloch schätzungsweise mehrere Millionen Barrel Öl ins Meer gelaufen, weite Abschnitte der US-Küste sind verseucht. Die US-Regierung hatte daraufhin angekündigt, nicht nur dem hauptverantwortlichen Konzern BP, sondern der gesamten Branche härtere Auflagen für ihr Bohrgeschäft zu machen.
Die Initiative der vier Ölmultis dürfte daher eine Reaktion auf die Bestrebungen in Washington sein. Konzernangaben zufolge haben die Unternehmen die Gründung von Marine Well Containment Company mit der Regierung abgestimmt.
Der demokratische Kongressabgeordnete Ed Markey hält den Plan für unzureichend. Das neue System ermögliche zwar schnelleres Reagieren, die Ölkonzerne müssten aber den Anspruch haben, eine bessere Technik als die von BP bisher verwendete einzusetzen. Sie müssten insbesondere in Systeme investieren, "die verhängnisvolle Austritte von Anfang an verhindert".
Vor wenigen Tagen hatte BP eine neue Auffangkappe auf das beschädigte Förderrohr am Meeresgrund gesetzt und das Ölleck damit vorübergehend geschlossen. Über zwei Entlastungsbohrungen soll das Bohrloch bis Mitte August mittels Schlamm und Beton endgültig abgedichtet werden. Dieser Zeitplan ist nun jedoch in Gefahr: Aufgrund von Sturmwarnungen für den Golf von Mexiko habe BP die Arbeiten vorübergehend gestoppt, teilte der Konzern mit. Man müsse vorbereitet sein, die Region im Falle eines Unwetters schnell zu verlassen, sagte BP-Vize-Präsident Kent Wells. Notfalls müssten auch die Schiffe über der Stelle, wo die Entlastungsbohrungen stattfinden, in Sicherheit gebracht werden.
Das US-Hurrikan-Zentrum hatte einen tropischen Wirbelsturm in den kommenden zwei Tagen für möglich gehalten. BP habe das Bohrloch mit einer zusätzlichen Sicherung versehen, sagte Wells. Der sogenannte Sturmverpacker sei "eine weitere Barriere, damit nichts hinein- oder herausfließen kann". Wenn BP die gesamte Region evakuieren müsse, könne das die Arbeiten um "zehn bis 14 Tage" zurückwerfen, sagte der US-Krisenhilfekoordinator Thad Allen.
Neben den Entlastungsbohrungen treibt BP derweil ein weiteres Manöver zum Verschluss des Lecks. Bei der Static Kill genannten Aktion soll schwerer Schlamm durch die Ventile der Abdeckhaube gepumpt werden, die seit knapp einer Woche das Loch verschließt. Eine Entscheidung, ob diese Operation gestartet werden dürfe, solle die US-Regierung "in nicht zu ferner Zukunft" fallen, sagte der BP-Manager Wells. Mit der Maßnahme könnte die Quelle schon früher dauerhaft versiegelt werden als im August.
Quelle: www.zeit.de